Mit Licht und Schatten gestalten

Wie könnte man besser vermitteln, was man meint, wenn nicht mit Bildern. Deshalb habe ich ein paar Bilder aus unserem Garten herausgesucht, und eines muss ich mir sowieso ausleihen, weil es – noch – keine Schattennische mit einem interessanten Objekt gibt. Ich hoffe, dieses Vorgehen wird mir verziehen 🙂

„Gardens would be immeasurably duller without plenty of shade“ Monty Don

Schöne Gärten sind sonnig, da haben wir vor allem Sonne vor Augen – sonnige Flächen, hübsche Sträucher und Stauden im hellen Sonnenschein, nicht zuletzt den Gemüsegarten, der auch viel Sonnenlicht benötigt.

Einen sonnigen Garten betrachtet man gerne, viele Pflanzen brauchen Licht zum wachsen, alles wirkt unkomplizierter, leichter.

Dabei brauchen wir alle auch Schatten: Menschen, Tiere und auch einige Pflanzen. Viele sehr schöne Pflanzen benötigen Schatten oder mindestens Halbschatten – Salomonssiegel (Polygonatum), Tränendes Herz (Lamprocapnos spectabilis), die vielen schönen Funkien (Hosta), Lenzrosen (Helleborus orientalis) …

Wir Menschen benötigen spätestens im Hochsommer schattige Plätze, wenn wir uns ausruhen wollen – oder etwas essen, denn das geht in der Hitze der prallen Sonne nicht so gut.

Und mit deutlich wärmeren und trockeneren Jahren, wird Schatten als Schutz vor Verdunstung ebenfalls immer wichtiger.

An dieser Stelle passt ein Auszug aus einem Artikel, den Monty Don in der diesjährigen August-Ausgabe von „Gardeners World“ geschrieben hat:

Eines der häufigsten Missverständnisse, auf die ich bei der Gartenarbeit stoße, ist, dass Schatten in gewisser Weise weniger gut ist als Sonne, oder dass er ein Problem darstellt, das gelöst werden muss. Dem ist nicht so. In der Regel erweitert der Schatten die Palette der Pflanzen, die man anbauen kann, um Tiefe und Qualität und ist für den Gärtner ein ästhetisches Vergnügen.

Gärten wären ohne viel Schatten unendlich viel langweiliger. Ich liebe die Pflanzen, die darin gedeihen, und die Art und Weise, wie sich das Licht bewegt und Textur und Tiefe in das bringt, was bei ununterbrochener Sonne eine flache Wüste wäre. Fast alle Schatten sind wechselhaft und variieren in ihrer Intensität. Viele Blätter filtern lediglich das Licht und werfen einen sanften, sogar zarten Schatten, der nicht nur die Kultivierung, sondern auch das Aussehen vieler Pflanzen verbessert, und selbst der dunkelste Hinterhof kann zu einem schönen Garten werden. […]

Ein gutes Drittel des Gartens steht immer in der vollen Sonne, aber der Schlüssel ist, dass im Sommer alles mindestens die Hälfte der Zeit im Schatten liegt – und das scheint das richtige Gleichgewicht für fast alle „schattenliebenden“ Pflanzen zu sein.

Ich jongliere damit, wann die Pflanzen im Schatten stehen und wie viel Schatten sie bekommen. So lasse ich zum Beispiel Lingularien (Goldkolben) frühmorgens und abends in der Sonne stehen, schütze sie aber vor der Mittagsglut so gewissenhaft wie ein Kleinkind vor dem Meer. Andere Pflanzen scheinen erstaunlich unproblematisch damit klarzukommen, wenn sie „gut gebacken“ werden, wie Hostas (Funkien), Thalictrum (Wiesenraute), Rodgersia (Schaublatt), Rheum (Rhabarber, alle Sorten), Galtonias (Sommerhyazinthe), Lilien, Cardiocrinum (Riesenlilie), Angelica (Engelwurz), Primeln, Gunnera (Mammutblatt) und Farne, solange sie jeden Tag ein paar Stunden im Schatten verbringen können. […] (Monty Don, „Gardeners’ World“ August 2023)

[Anmerkung: Wobei mir manche der von ihm aufgeführten Pflanzen nicht unbedingt als Schattenpflanzen bekannt sind. ]

Der Wechsel von Licht und Schatten bildet Räume und Übergänge

Mit dem Schatten innerhalb des sonnigen Gartens bilden sich auch Räume, im Wechsel von Licht und Schatten wirkt alles interessanter – am besten auf natürliche Art und Weise.

Schatten, den Bäume oder große Sträucher bilden, ist der natürlichste. – Im kleinen Garten kann man übrigens auch einen großen Strauch zum Kleinbaum erziehen, damit muss man nur möglichst früh anfangen. Sträucher wachsen in der Regel auch schneller – bis ein Baum so groß ist, dass er einen nennenswerten Schatten wirft, vergeht eine ganze Weile.

Wenn ein schattiger Platz an ein bis zwei Seiten eingefasst wird, bildet er schon einen Raum innerhalb des Gartens. Diesen Raum kann man einfach so, wie er ist, für sich wirken lassen, oder man platziert ein interessantes Objekt als „Hingucker“ in der Fläche oder außergewöhnliche Pflanzen am Rand, wie z.B. Salomonssiegel (Polygonatum). So hat der Blick ein „Ziel“; ein Objekt wie eine Stele, eine Skulptur oder ein hübscher Kübel empfiehlt sich vor allem, wenn es sich um große Gartenräume handelt. Richtet man sich dort zum Beispiel einen Sitzplatz ein, hat man nicht nur einen einen schönen Ort zu Ruhen im Schatten, man kann seinen Garten auch ab und an aus einer anderen Perspektive betrachten und genießen.

Ich mache das sehr gerne: wir haben eine Terrasse direkt am Haus, die inzwischen durch geschickt platzierte Bäume im lichten Schatten liegt (zumindest im Sommer, wenn das Laub an den Bäumen ist), eine vollsonnige Terrasse mitten im Garten sowie einen Sitzplatz am Rosenbogen (an dem allerdings keine Rosen, sondern Clematis und Geißblatt (Lonicera) wachsen), der vor allem am Ende des Tages Schatten bekommt. Dort helfen wir uns schon mal mit dem Sonnenschirm aus. Ansonsten schnappen wir uns auch gerne einen Liegestuhl oder einen Gartensessel und wandern damit in den Schatten unter Mirabelle und Pflaume oder unter den großen Kirschbaum.

Hier sieht man sehr schön, wie die recht große Fläche der Wiese optisch durch die Schattenwürfe der Bäume unterteilt wird. Das ist viel interessanter als eine „monochrome“ Wiese in der Sonne.

Unvernünftigerweise ist unser Garten recht groß dafür, dass wir ca. 60km entfernt wohnen und maximal am Wochenende da sein können. Aber ich liebe die weiten Blicke, die sich aus der Größe ergeben, vor allem auch unter Bäumen durch, mit dem Wechsel von Licht und Schatten.

Auch unter Pergolen und (Rosen-) Bögen bilden Rankpflanzen einen unterstützten natürlichen Schatten. Damit werden Durchgänge betont, und das ist wichtig, um den Übergang von einem Bereich in den anderen zu erleben. Mit mehreren solcher vertikalen Elemente können wir auch wieder einen Raum bilden. Dabei können die offenen Elemente wie bei einem Pavillon durchgängig bleiben, oder sie „überqueren“ ein Beet, dessen Pflanzen diese Öffnung spielerisch füllen.

Der Blick fällt aus dem schattigen Bereich einerseits Richtung Sonnenterrasse mit dem urigen Mäuerchen, andererseits die Wiese mit einem tiefen Schatten, dieses Mal von dem großen Bauernjasmin (Pfeifenstrauch, bot. Philadelphus).

Darüber hinaus gibt es viele „künstliche“ Schattenspender wie Sonnenschirme, Sonnensegel etc. Da kann man vieles kaufen. Ein hübscher Sonnenschirm macht im Garten eine gute Figur, ist mobil um Schatten zu spenden, wo sonst keiner wäre, und außerdem eine gute Übergangslösung bis die Sträucher oder der Baum groß genug sind.

Nicht zu vergessen ist der Gebäudeschatten. Am Haus entstehen im Tagesverlauf auch unterschiedliche Schattenflächen, die vielleicht auch noch den Vorteil bieten, gleichzeitig vor Wind geschützt zu sein. (Da das Häuschen in unserem Kleingarten nicht besonders hoch und auch ziemlich klein ist, hält sich der Gebäudeschatten in diesem Fall allerdings in sehr engen Grenzen.)

Garten planen

Um einen Garten zu planen oder einen bestehenden umzuplanen, fängt man am besten mit einer Bestandsaufnahme an. Das macht man, indem man sich die verschiedenen Gegebenheiten ansieht und zusammenträgt. Das sind:

  • Das Gelände
  • Was ist drin?
  • Was ist drum herum?
  • Der Lichteinfall
  • Die Windverhältnisse
  • Das Klima generell

In der Auflistung finden wir das Wort „Lichteinfall“, unser Thema.

Das bedeutet zunächst einmal festzustellen, wo ist Süden, wie läuft die Sonne um den Garten, schlägt irgendetwas von außen herum einen Schatten im Garten? Das heißt aber auch, wo wird schon Schatten gebildet und wie wandert er?

Es ist gut, wenn man dabei nicht nur den allerhöchsten Sonnenstand im Sommer berücksichtigt, sondern auch einen etwas niedrigeren. Vor allem eigentlich, damit man nicht unbeabsichtigt zu viel Schatten an einer Stelle bildet.

Machen Sie Fotos, Zeichnungen, vielleicht gibt es Luftbilder von der Gegend. Oder Sie kennen jemanden mit einer Fotodrohne, der ein Bild von Ihrem Garten macht.

Und wenn Sie das alles zusammengetragen haben, dann überlegen Sie in aller Ruhe, wo und wie Sie mehr Wechsel von Licht und Schatten in Ihrem Garten entstehen lassen wollen. Wäre an der einen oder anderen Stelle mehr Schatten schön? Und wodurch soll der entstehen – einen Baum, einen Strauch, eine Hecke? Oder soll ein Durchgang mit einer berankten Pergola entstehen? Vielleicht entdecken Sie auch einen Ort, der schon einen schönen Platz im Halbschatten bildet.

Das kann übrigens auch passieren, wenn Sie Ihren Garten schon lange kennen – alles wächst und verändert sich, manchmal von uns unbeachtet. Möglicherweise haben Sie auf diese Weise gerade einen Platz entdeckt, von dem aus Sie den Garten aus einem ganz anderen Blickwinkel bewundern können!

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