Eine Entscheidung

Dieser Text ist nicht sehr positiv, eher nachdenklich, dafür sind in den Bildern aufmunternde Highlights versteckt.


Vielleicht sollte ich am Anfang ein bisschen unseren Garten schildern: Es ist ein „Kleingarten“ nach dem deutschen Kleingartengesetz und liegt in einer Kolonie. Er besteht aus zwei Gärten, die jeweils ca. 480m2 umfassen, gesamt also fast 1000m2. Darauf stehen, wie im Kleingarten üblich, zwei Häuschen von je ca. 20m2 (1 je Garten) und ein Schuppen. Ein Teil ist ein klassischer Bauerngarten mit einer klassischen 4er Teilung samt runder Mittelfläche, davor und nebenan noch weitere Gemüsebeete. Dann gibt es mehrere Obstbäume (Kirschen, Äpfel, Zwetschge, Mirabelle und eine Reineclaude), über den Garten verteilt 3 Hochbeete, in denen Starkzehrer wie Kürbis, Zucchini, Kartoffeln, Rhabarber angebaut werden. Außerdem an der Seite dem Bauerngarten gegenüber, getrennt durch eine große Wiese, der „Beerengarten“ mit Johannisbeeren in rot, weiß und schwarz, Jostabeeren, Himbeeren und Erdbeeren. Dazu viel Wiesenfläche und einige Zierbeete mit Stauden und Sträuchern. Eine Zeichnung wäre hier vermutlich gut, die habe ich aber leider nicht.

Dieses Gartenjahr war bisher merkwürdig und kompliziert.

Im zeitigen Frühjahr fing ich an, Gartenzeitschriften und -bücher zu lesen – was immer „gefährlich“ ist. Ich komme dann leicht auf super Ideen, die – weit weg vom Garten und seinem Zustand – sehr gut machbar wirken. Dieses Jahr: Schuppen renovieren, endlich tolle Mischkultur inkl. Ringelblumen und Tagetes, Häuser und Fenster streichen, zwei neue Tomatenbeete samt Dächern einrichten etc. Im Garten angekommen (zur Erinnerung: wir müssen ja erst hinfahren, nach Lüneburg, etwa 60km von Hamburg aus), sieht man dann sehr deutlich, was eigentlich alles zu tun ist.

Ein voller Erfolg: das neu angelegte Erdbeerbeet, in dem fast ausschließlich die Sorte „Mieze Schindler“ wächst, hat schon einige dieser unglaublich leckeren Erdbeeren produziert. Sie müssen eigentlich gleich gegessen werden – einerseits weil sie so sehr gut schmecken, und andererseits weil sie eigentlich nicht transportiert werden können. Aber es gibt einen Trick: am Stängelchen abschneiden, dann bleiben die Blätter dran und die Früchte halten mehr aus (s. Foto, allerdings ausgeliehen).

Dieses Frühjahr allerdings haben mich die Planung dieser „Projekte“ und das Aussäen vieler Gemüse- und Zierpflanzen über eine Zeit gerettet, in der mein Alltag daraus bestand, einen Haushalt zu führen, in dem alle Familienmitglieder fast permanent zuhause waren (mit dem entspr. Mehraufwand an putzen, kochen, einkaufen, …) und den Töchtern bei Bedarf mit ihren Schulaufgaben zu helfen, sowie dafür zu sorgen, dass meine Mutter nicht vereinsamte.
Mehr als ein Vollzeitjob.

Auf meinen eigenen Text über Phänologie, an dem ich gerade schreibe, konnte ich mich nicht konzentrieren, weil ich zu oft unterbrochen wurde.

Die Begeisterung für das Aussäen führte dazu, dass unsere Wohnung irgendwann mit Sämlingen komplett vollgestellt war – und als Bonus dazu gab es sehr nette Begegnungen, als ich die überzähligen Kürbis- und Tomatenpflanzen weitergegeben habe.

Die Kürbis- und Zucchinipflänzchen, von denen ich die überzähligen weggegeben habe.

Die eigenen Exemplare standen dann noch wochenlang in einem Foliengewächshaus auf unserem Balkon, weil es so lange einfach nicht warm werden wollte.

Die mit Liebe und viel Überlegung gestalteten Beetpläne inkl. Mischkultur und Helferpflanzen) wurden ebenso liebevoll umgesetzt, die kleinen Setzlinge sorgfältig eingepflanzt.

Dann kamen die Schnecken. Das Frühjahr war so lange kalt gewesen und wir waren meistens zum Bauen und Aufräumen im Garten, sodass ich nicht rechtzeitig etwas gegen die Schnecken unternommen hatte.

Schönes Detail: als Stütze für die Bohnenranken dienen hier zum Teil die langen Triebe unseres Feigenbusches, die ich im Frühjahr abgeschnitten hatte. Dass sie nicht immer schnurgerade gewachsen sind, macht es umso reizvoller. Und sie sind komplett kostenlos: man muss nur im Frühjahr einmal mitdenken 😉

Wenn man aber nur einmal die Woche für wenige Stunden oder sogar nur alle zwei Wochen im Garten ist, dann entdeckt man Schäden durch z.B. Schnecken oder mangelnde (automatische) Bewässerung meist zu spät. Und so ist es auch passiert: manches haben die Schnecken vernichtet, anderes wollte nicht recht größer werden, weil die Erde nicht gelockert wurde, manches ist vertrocknet. Von den vorgezogenen Pflänzchen ist wenig geblieben. Gut gedeihen die Kürbisse, die Tomaten – und der Erfolg sind Zwiebeln, die mit in den Tomatenbeeten wuchsen, in reiner Komposterde – Prachtexemplare!

Die Zwiebeln, die ich mit in die Tomatenbeete gesteckt hatte – in puren Kompost – sind enorm groß geworden. Die Sorte heißt „Gelbe Birnenförmige“ und gefällt mir sehr gut. So große hatte ich noch nie. Und die Tomaten hat es nicht gestört – die hat eher da nasse und nicht sehr warme Wetter gestört. Umso erstaunter war ich als mein Mann Mitte Oktober noch diese Tomaten mitbrachte. Wer hätte gedacht, dass da noch etwas reif wird? Eher hätte ich erwartet, dass die Pflanzen reif zum Abräumen wären (sind sie jetzt auch).

Mitte Oktober, nach unserem Urlaub, hat mein Mann dieses Foto von unserem großen Hochbeet gemacht. Das Kürbislaub zusammengefallen, sieht man jetzt , dass doch eine Reihe Kürbisse entstanden sind, die er dann mit nach Hause gebracht hat. Dazu kommen noch zwei kleinere Muskatkürbisse, die in einem anderen Beet gewachsen sind. Eine gute Ausbeute.

Trotzdem habe ich das Gefühl, den inneren Kontakt zum Garten, zu seinen Pflanzen und deren Bedürfnissen verloren zu haben.

Inzwischen sind unsere Mädchen Teenies und wollen nicht mehr mit in den Garten. So ist er ein Ziel für Kurzurlaube von uns beiden geworden.

Und im Nachdenken darüber fiel mir auf, dass ich im Garten eigentlich nie Urlaub mache. Also nicht im Sinne von „Aktivurlaub mit Gartenarbeit“, sondern so richtig mit Ausruhen, Faulenzen und genießen. Die Stunden im Garten verbringen wir mit den nötigsten Arbeiten, und dann fahren wir wieder nach Hause. Die Liegestühle bleiben am Haken hängen, im Pool war ich viel zu selten. Trotzdem ist der Schuppen noch nicht renoviert, die Häuser nicht gestrichen etc. .

Alles in Allem: Etwas muss sich ändern – aber was?

IDEE:

Wir reduzieren das Programm. Johannisbeersträucher und Erdbeerpflanzen ziehen vom „Beerengarten“ am anderen Ende des Gartens in den Gemüsegarten um. Wir bauen maximal noch Kürbisse, Zucchini, Tomaten und Kartoffeln an. Evtl. darf irgendwo eine dekorative Bohnenpyramide stehen. Beete mit vielen kleinen niedlichen Stauden bekommen einen schönen, passend großen Strauch, der sie füllt, ein paar Stauden dürfen am Rand stehen.

Im Bereich des Beerengartens – gleich beim Trampolin – setzen wir eine Sichtschutzhecke und säen Wiese ein.

So behalten wir einen Nutzgarten, von dem wir auch essen können, der uns aber Zeit lässt, die Gebäude zu pflegen, Beetränder zu setzen und Wege zu befestigen, sodass die „sinnlosen“ Arbeiten im Garten reduziert werden, und der Garten pflegeleichter wird.

Ein Garten , der uns auch ermöglicht, in diesem Garten Urlaub zu machen!

Symbolbild
Ein Bild von einem Liegestuhl in unserem Garten habe ich bezeichnenderweise nicht …

Denn der Garten ist, auch in all seiner derzeitigen Unvollkommenheit, wunderschön! Es gibt so wundervolle Durchblicke, Pflanzen und „Landschaften“, pinkfarbener Phlox (eigentlich nicht wirklich meine Lieblingsfarbe) leuchtet vor dem dunkelroten Laub der Blutpflaume, in deren Schatten unterschiedliche Funkien wachsen. Ich könnte immer weiter erzählen …

Und wenn wir diesen Umbau bewältigt haben, dann in heiterer Gelassenheit alles schön machen.

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